Wie alles weiterging oder Warum Movable Type aus meiner Sicht versagt hat

Ich habe mich jetzt nahezu einen Monat lang mit Gedanken zum Thema Neustart von yauh.de und feierabendyogi (und in diesem Sinne auch stephan-hochhaus.de) beschäftigt. Bisher ist nichts vorzeigbares dabei herumgekommen.

Es sollte ein grandioser, ein fulminanter Neustart werden. Eine Portalseite mit sämtlichen Aktivitäten auf meinen Blogs, Tweets und womöglich aus Goodreads, Google Reader, last.fm und sonstwoher aggregierten Infos.

Zugleich war mir wichtig, dass sämtliche Errungenschaften der Blog-Welt in den letzten zwei Jahren verfügbar wären. Login für Kommentare mittels Open-ID oder Facebook, Ajax wohin das Auge blickt, Trackbacks (zugegeben, die sind schon älter, aber habe ich bisher nur einmal kurz unterstützt hier), Gravatar und solcherlei Neuerungen. Da lag es nahe, mal ein wenig Abstand von Textpattern zu gewinnen (seit dem Weggang von Dean Allen ist es sowieso nicht mehr dasselbe gewesen) und mich auf dem Markt ein wenig umzusehen.

Mit WordPress hatte ich an dieser Stelle ja schon einige Zeit – war es nicht sogar ein ganzes Jahr? – gebloggt. Aktuell bin ich vom Platzhirsch nicht überzeugt und folge meiner Neigung, Underdogs den Vorzug zu geben. Entsprechend versprach ich mir recht viel vom ehemaligen König der Blog-Software: Movable Type.

Das Konzept von Movable Type finde ich absolut überzeugend (als Fan von Perl freue ich mich ebenso diebisch, dass der Unterbau konform mit meiner Geek-Religion als Perlmonkey ist). Die meisten Seiten sind nunmal statisch, weshalb sie auch direkt als solche abgespeichert werden sollten. Statusmeldungen auf Webseiten in der Form

Page created in 0.34 seconds using 21 queries.

finde ich eher verstörend, vor allem im Shared Hosting. Movable Type ist auch in der Lage ohne Einstellungen an der Apache-Konfiguration, mehrere Domains mit einer Installation zu betreiben (Portal-Aggregation, das wird ein Kinderspiel!).

Als mir klar wurde, dass Movable Type 5 Anfang Dezember (so was ursprünglich der Plan, jetzt ist es Anfang Januar) veröffentlicht würde, habe ich mich intensiv mit dem System auseinandergesetzt und in meiner freien Zeit daran gebastelt. Ich wünschte, ich hätte diese meine vergeudete Lebenszeit zurück!

MT5, wie Insider die Software nennen, ist sicherlich sehr leistungsstark, inzwischen stehen CMS-Funktionen stärker im Fokus. Das ist in der Theorie gut, aber mir sind ein paar Dinge extrem störend aufgefallen:

Die Community von Movable Type war bereits ab November im Winterschlaf. Die Dokumentation lässt derart viele Fragen offen, dass es ohne Hilfe nicht geht, einen geeigneten Einstieg für ambitionierte Projekte zu bekommen. Der IRC schweigt täglich vor sich hin und im Forum sind im Grunde nur Neulinge, zugegeben intelligente Spammer und bestenfalls zwei versierte MT’ler, die einmal pro Woche die eine oder andere offene Frage beantworten.

Das Thema Themes und Templates ist vielleicht sehr flexibel, aber nicht so viel anders und besser als bei Textpattern – so mein Eindruck. Das Erstellen von eigenen Themes jedoch ist ungeheuer kompliziert und eine einzige Black Box. Zusätzlich zum Theme-Ordner empfiehlt die Dokumentation (jedenfalls das, was bereits existiert), dass man Dateien wie Bilder, Javascripts, etc. an einen zweiten Ort im Dokument-Root ablegt. Selbstverständlich klappt dann die reibungslose Weitergabe von Themes nicht mehr und nur bei höchster Sorgfalt lassen sich Themes reproduzieren (wohlgemerkt, nicht einmalig erzeugen, sondern transferieren und von anderen nutzen).
Zu dumm auch, dass es nahezu nirgendwo Themes für MT zu geben scheint. Selbst Textpattern ist hier besser bedient.

Alles gipfelt im Grunde in der mangelhaften Dokumentation. Die positive Nachricht ist, dass Six Apart den Release von MT5 wegen der nicht zufriedenstellenden Dokumentation verzögert hat. Das miserable Theme-System werden sie dadurch zwar nicht verbessern, aber immerhin die verquere Denkweise nachvollziehbar machen können.

Ich fürchte, dass es für mich persönlich kein besseres Blog/CMS gibt, als Textpattern. Ich möchte einfach mit relativ geringem Aufwand Inhalte ins Netz stellen. Bestenfalls ein bestehendes Theme nehmen, minimale Änderungen machen und losschreiben. Vielleicht ist aber nach über 6 Jahren so langsam die Luft raus, im Internet sämtliche Banalitäten des Alltags zu kommentieren.

Ich denke, dass Movable Type 5 gegenüber der bestehenden Konkurrenz, allen voran WordPress, kaum Boden gut machen wird. Dazu ist das System zu wenig innovativ und benutzerfreundlich (wobei das Backend wirklich gut gemacht ist, weshalb ich MT so gerne gemocht hätte). Vielleicht ist aber die Zeit des Blog-Publishings vorbei und Twitter, Soup.io und Facebook besteigen den Thron im nächsten Jahrzehnt.

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Blogging since 2003 about life, tech, yoga. Passionate about the details and eager to know more. Systems theory meets empathy.
Bochum. Germany.
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