Soziale Netze haben kein Gedächtnis

Es heißt immer wieder, das Netz vergesse nicht. Alles, was ich je im Internet veröffentlich habe, soll irgendwo noch vorhanden sein. Schaue ich mir das Archiv des Netzes an, mag das in Teilen sogar stimmen.

Soziale Netze hingegen sind anders. Dort werden nicht einfach Informationen und Daten veröffentlicht. Blogeinträge sind kein soziales Netz. Vielmehr spielen hier Vernetzungen eine Rolle. Wer kennt wen, folgt wem, hat welchen Freundschaftsstatus mit wem?

Bei Twitter ist mir heute bewußt geworden, dass ich keine Ahnung habe, ob ich jemandem früher schon einmal gefolgt bin (oder er mir). Auch bei Xing, LinkedIn, Facebook und andernorts habe ich soziale Beziehungen hergestellt und zu einem bestimmten Punkt wieder abgebrochen.

Was jedoch für mich ganz interessant wäre (eine Art Logbuch über meine Vernetzungen in der virtuellen Welt), wäre auf der anderen Seite absolut fatal. Anhand solcher Informationen würde ich noch gläserner, als ich es heute schon bin.

Für mich führt dieser Umstand eines Logbuchs aber auch in Konsequenz wieder dahin, das es aktuell im Internet nahezu keine sozialen Netze gibt. Es gibt Plattformen, auf welcher sich Nutzer anmelden, die andere Nutzer einer Plattform verlinken, aber das passiert immer nur im Mikrokosmos Social-Web-Product-Named-XY. Wirkliche soziale Netzwerke werden wir nur haben, wenn sie in Richtung XFN gehen und – ganz wichtig – ich derjenige bin, der meine eigenen Daten beherbergt.

Noserub geht in die richtige Richtung, Motion ist auch auf einem guten Weg und je mehr wir es schaffen, von Produkten, die sich nahezu ausschließlich über die Zahl der Mitglieder definieren (“Facebook jetzt mehr Mitglieder als VfL Bochum” etc.), desto eher kommen wir zu wirklichen, netzwerkartigen Strukturen zwischen Menschen, die man sinnvoll nutzen kann. Mit seinem eigenen Gedächtnis.

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Blogging since 2003 about life, tech, yoga. Passionate about the details and eager to know more. Systems theory meets empathy.
Bochum. Germany.
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