Humans follow technology - or do they?

Wir befinden uns im fünften Kondratieff und immer noch sieht es so aus, als wären wir höchstens im vierten. Warum? Weil es kaum massentaugliche Eingabemedien zu geben scheint, die Computer tatsächlich benutzbar machen.

Der Anspruch sollte sein, dass Anwender nicht lernen sich dem Computer verständlich zu machen, sondern dass Computer lernen, den Anwender zu verstehen. Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, wie spricht man eigentlich mit Computern? Der dienstälteste, weit verbreitete Weg ist sicherlich die 1021 Tasten umfassende Tastatur. Kurze Zeit später kam das Prinzip Maus auf, mit welchem man sowohl visuelle Informationen (ich male ein Bild) in den Rechner bekam, als auch Befehle absetzen konnte (führe den Befehl, der mit dem Diskettensymbol verknüpft ist, aus).

So großartig die Maus in all ihren Inkarnationen (Trackball, Trackpad, Mouse-Stick) auch scheinen mag, sie sorgt für extrem unproduktive Arbeitsweisen. Es ist sozusagen das Adler-Such-System der Tastatur ausgebreitet in den (virtuellen) Raum grafischer Oberflächen.

Es gibt nun zahlreiche Versuche, dem Computer menschliche Anliegen und Sprache näher zu bringen. Tablet-PCs zum Beispiel, die es leider nie so ganz geschafft haben, Einzug auf den Massenmarkt zu halten.

Neuerdings kommen auch Schreibstifte auf, die ihre Informationen digital abspeichern und dem Rechner zur Verfügung stellen. Die interessanten Vertreter wie io2, Oxford und Fly erleben derzeit eine Renaissance durch Pulse Smartpen oder Paperium. Das Problem, dass spezielles Papier benötigt wird, hat kaum einer der Hersteller bislang gelöst, eine Ausnahme stellt Pegasus dar. Aber ein viel größeres Problem, dass Handschriften auch erkannt werden wollen, stellt eine durchaus höhere Hürde dar. Wenn der Anwender extra ein spezielles Alphabet erlernen muss, ist aus meiner Sicht nichts gewonnen.

Eine andere Alternative als Eingabemedium ist die Stimme. Wen man von der Philosophie ausgeht, dass Sprache immer gesprochene Sprache meint und Schrift nur eine Kodifizierung darstellt, dann dürfte der Lernaufwand am geringsten sein. Mit Dictate kommt in Kürze endlich eine deutschsprachige Lösung für den Mac auf den Markt, die auch eine gewisse Treffergenauigkeit verspricht.

Multi-Touch schließlich ist derzeit stark im Kommen und dürfte das nächste große Ding nach der Maus werden. In Ergänzung zur Spracheingabe wäre diese Form schon ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem mühsamen Erlernen eines Zehn-Finger-Systems zu Steigerung der Produktivität.

Die vielzitierte Wirtschaft stellt den Motor der Innovation dar. Wirklich wundern tut mich hieran, dass heute in nahezu allen Unternehmen jeder einzelne Mitarbeiter den Großteil seiner Arbeit am PC verbringt, jedoch nahezu kein Unternehmen sich ernsthaft darum kümmert, die Schnittstelle Mensch-Computer zu optimieren, um eine größtmögliche Effizienz zu ermöglichen. Die einfachste Form wäre, den Mitarbeitern Zehn-Finger-Kurse als Weiterbildungsmaßnahme anzubieten. Wer einen Schritt weitergehen möchte, könnte eben jene Spracherkennungssoftware als Ersatz für die persönliche Assistentin für alle Mitarbeiter spendieren. Vor dem Hintergrund, dass teilweise ellenlange Dokumente angefertigt werden, wieso eigentlich nicht?

1 Oder auch mal mehr oder weniger.

Author image
Blogging since 2003 about life, tech, yoga. Passionate about the details and eager to know more. Systems theory meets empathy.
Bochum. Germany.
top