Angebote für IT-Projekte

Bei Marcus in den Bookmarks gefunden und direkt mal hingesurft:

Angebot für ein IT-Projekt erstellen bei digitale-wertschoepfung.de.

Derzeit schreibe ich auch mal wieder Angebote, daher ist mein Interesse, andere Angebote zu lesen, sehr zwiegespalten: Einerseits möchte ich natürlich wissen, wie ich meine eigenen literarischen Werke verbessern kann, andererseits kann ich im Moment aber eigentlich keine Angebotstexte oder Fachkonzepte mehr sehen, wenn ich nach Hause komme.

Sei es drum, das Beispiel scheint mir recht gut, die Struktur erschlägt mich zwar auf den ersten Blick etwas (vermutlich wegen der Modulauflistung ohne Ordnungszahl im Vorwort) und ist sehr speziell für Web-Projekte aber ich kommentiere ja gerne alle möglichen Dinge (warum sonst hätte ich hier den Blogbetrieb wieder aufgenommen?).

Zunächst, und natürlich als Nachtgedanken komplett chaotisch und ungeordnet, würde ich etwaige Schulungsleistungen prinzipiell aus den Modulbeschreibungen herausnehmen

Modul WG:
“In einer telefonischen Kurzschulung (ca. 30 Minuten) weist der Auftragnehmer eine vom Auftraggeber bestimmte Person einmalig in das System ein.”

und einen eigenen Punkt dafür ins Angebot aufnehmen. Dadurch wird zwar die modulare Struktur aufgebrochen, aber Lieferleistungen können schneller identifiziert werden. Gleiches gilt für die Dokumentation, die im Beispielangebot nicht erstellt wird. In jedem Fall würde ich explizit erwähnen, dass entweder keine Dokumentation im Rahmen des Angebots erstellt wird, oder diese näher spezifizieren.

Auch den Bereich Support habe ich beim ersten Überfliegen nicht gesehen, wenn ich es als Modul angebe, dann nicht so versteckt (wiedermal: Ordnungszahlen statt nur fett gedruckte Modultitel).

Wenn Softwarelizenzen im Spiel sind (CMS), dann interessieren mich etwaige Wartungsupdates. Sind diese inbegriffen oder nicht, wie werden diese verfügbar gemacht oder läuft dieser Prozess automatisch? Gerade beim Webhosting interessiert mich natürlich im Geschäftsbereich auch ein SLA. Muss ich Support für zehn Stunden einkaufen, wenn der Server eine ganze Woche ausfällt? Das geht aber vielleicht zu sehr ins Detail bzw. steckt in den AGB.

Schwierig und nicht transparent ist für mich der genaue Aufwand eines Projekts. Ein Satz wie

Das Projekt wird je nach Umfang der ausgewählten Module ca. 4 Wochen Bearbeitungszeit in Anspruch nehmen.

irritiert mich doch stark. Wenn ich nur ein Basislayout nehme, dauert das doch keine vier Wochen, oder? Wenn schon modular, dann auch mit Aufwänden pro Modul, damit ich in etwa abschätzen kann, was auf mich zukommt bei Auftragsstellung. Das kann aber auch in Form von persönlicher Beratung stattfinden, ist dann jedoch auch schriftlich zu fixieren. Der Punkt kann insgesamt aber auch daran liegen, dass ich zur Zeit nur noch in Manntagen denke.
Sehr gut wiederum finde ich die Auflistung von Preisen für die Standardmodule.

Im Großen und Ganzen vermisse ich irgendeine Form der Beratung oder Führung des Kunden. Im Vorwort wird erwähnt, was er tatsächlich möchte, aber dann wird er mit allem, was der Auftragnehmer zu bieten hat, zugekippt. Getreu dem Motto: “Das alles können wir, suchen Sie sich etwas aus!”

Gestolpert bin ich noch über diesen Satz im Angebot, genaugenommen über exzellenter:

Eine Empfehlung von exzellenter, fachkundiger Rechtsberatung für Websites ist möglich.

Kann aber auch nur an mir liegen, ich fand ja in einer unserer Stellenausschreibungen auch das Wort “ausgeklügelt” herausstechend.

Insgesamt mit Sicherheit eine gute Vorlage, vor allem für all jene, die noch nie oder nur wenige Angebote verfasst haben. Mir persönlich ist das zu generisch und wenig kundenspezifisch, aber womöglich inspiriert mich das für künftige eigene Angebotstexte?

Jetzt kann (und muss) man zur Rechtfertigung des generischen Charakters argumentieren: Wer will schon zwei volle Tage mit einer individuellen Angebotserstellung zubringen, damit der Kunden schlußendlich sagt, er kauft anderswo?
Man kann typischerweise in einem Angebot, gerade bei “kleineren” Beträgen allerdings auch nicht zu viel Spezifik einbringen, das gehört dann vielmehr in ein zu erstellendes Fachkonzept bzw. Pflichten-/Lastenheft. Dieses wird hier nicht erwähnt, daher erwarte ich, alle relevanten Informationen im Angebotstext zu finden.

Eine weitere Möglichkeit wäre, eine Beratungsleistung in Form der (gemeinsamen) Erstellung eines Anforderungsdokuments oder eben Fachkonzepts anzubieten, die schon berechnet werden kann, aber zur exakten Identifikation der Anforderung des Kunden führt. Möglicherweise mit der Option auf Verrechnung im späteren Folgeauftrag.

PS: Warum ich hierüber schreibe? Na weil das Angebot ganz unten eine Einladung verfasst hat, dass ich darüber bloggen soll. Mach ich doch glatt 🙂

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Blogging since 2003 about life, tech, yoga. Passionate about the details and eager to know more. Systems theory meets empathy.
Bochum. Germany.
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